Reichtumsuhr, Hannover. Quelle: WikiCommons, Bernd Schwabe

62 Menschen haben so viel Vermögen wie die Hälfte der Menschheit

Vor gut einem Jahr meldete Oxfam, dass die reichsten 85 Menschen so viel Vermögen besitzen wie die Hälfte der Menschheit. Nach ihrem aktuellen Bericht besitzen inzwischen 62 Personen so viel wie die 3,6 Millarden Menschen. Eine sehr gute Zusammenfassung finden Sie bei Telepolis.

In einer unreflektierten Wirtschaftstheorie ist großer Reichtum von Einzelpersonen kein Problem und in Wahlprogrammen werden sie gerne als „Leistungsträger“ der Gesellschaft bezeichnet.

In einer Welt mit begrenzten Ressourcen jedoch bedeutet unermesslicher Reichtum Einzelner, dass viele andere Menschen weniger haben. Und wenn die Ungleichverteilung groß wird, dann kämpfen sehr viele Menschen um ihre Existenz, während andere sich überlegen, welche Firmen, Villen oder Autos sie noch kaufen wollen. Wird die Ungleichverteilung extrem, dann verursacht der extreme Reichtum einzelner Armut und Elend bei großen Teilen der Bevölkerung. Und da Geld auch Macht ist, werden auch demokratische Systeme dadurch ausgehebelt was die Fehlverteilung noch weiter beschleunigt. Letzteres sehen wir in den letzen Jahren immer deutlicher.

Wir erkennen das auch daran, dass die 10% ärmsten Menschen nur 1% des Anstiegs des globalen Vermögens bekamen, die reichsten 1% griffen sich 80% des Vermögensanstiegs. Das Arbeitseinkommen stieg nahezu nicht, die Vermögenseinkommen stiegen extrem.

Woran liegt das?

Das würde die These unterstützen, dass mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Sozialismus im „Ostblock“ das Konkurrenzmodell wegfiel und sich von da an ein immer skrupelloserer Kapitalismus durchsetzte. Andere sehen den Anfang der Entwicklung in den USA. 1976..1978 wurden privatwirtschaftliche Spenden zur Wahlkampffinanzierung zugelassen. 1978 kam mit Ronald Reagan ein Präsident an die Macht, der die Steuern massiv senkte und die monetaristische Ideologie verwirklichte (siehe Artikel „Staatsverschuldung in den USA und korellierende Ereignisse„). Von 1976 bis 2008 stieg das Arbeitseinkommen dort real um 0%, alles an Wirtschaftswachstum wurde von von den reichsten 10% vereinnahmt (bei StateOfWorkingAmerica können Sie die den Verlauf anhand eines interaktiven Diagramms mit überprüften statistischen Daten nachvollziehen) .

Wieder andere sehen in der Aufhebung des Dollar-Goldstandards 1971 die Ursache. Und wieder andere sind der Ansicht, dass die immer schneller steigenden Schulden und die Exponentialfunktion der Zinslast all dies hervorgebracht hat.

Nun, all diese Dinge spielen zusammen und bringen sich gegenseitig hervor. Wenn man einerseits ein System schafft, das mathematisch dafür sorgt, dass die Einkommen der Vermögenden immer höher sind als die der Arbeitenden und gleichzeitig jegliche Ausgleichsmaßnahmen dafür eliminiert, braucht sich nicht über diese Entwicklung zu wundern (Einige Erklärungen im Artikel „Schuldenverteilung – Vermögensverteilung„). Entweder man ändert die Erstverteilung oder man kompensiert später über geeignete Steuern. Aber eines von Beidem muss getan werden! Die Globalieiserung ist nicht das Problem, die Art und Weise der Globalisierung jedoch führt seit Jahrzehnten in die völlig falsche Richtung.

Von wegen Besserverdienende

Man muss endlich einmal klarstellen, dass Besserverdienende Leistungsträger nicht das Problem sind. Sie bekommen einiges mehr als den Mindestlohn, aber sie leisten dafür Arbeit, zahlen hohe Steuersätze und bekommen nur einen minimalen Bruchteil dessen, was wirklich reiche Personen als Vermögenseinkommen kassieren.

Reichtumsuhr, Hannover. Quelle: WikiCommons, Bernd Schwabe

Reichtumsuhr, Hannover. Quelle: WikiCommons, Bernd Schwabe

Das funktionale Problem in der Volkswirtschaft wird durch die ausufernden Vermögenseinkommen verursacht. Und die werden nahezu nicht besteuert (siehe Artikel Steuern verschlimmern die Vermögensverteilung und Einkommensverteilung).

Nehmen wir das Beispiel Michael Quandt, weil seine Zahlen bekannt sind (Bill Gates und andere würden noch extremere Beispiele abgeben): Er erzielte z.B. 2012 einen Vermögenszuwachs von mindestens 2,8 Milliarden Euro (ca. 1,7 Millionen Euro pro Stunde). Ist er wirklich ein Leistungsträger, der in einer Stunde 200.000 mal so viel leistet, wie jemand, der zum Mindestlohn von 8,50€ z.B. 40h pro Woche bei Mc Donalds an der Pommesfriteuse steht? Der Mc Donalds Mitarbeiter müsste 117 Jahre arbeiten, um Bruttoeinnahmen zu erzielen, die Quandt in einer Stunde als Vermögen anhäuft. Um 1,7 Mio. € Vermögen aufzubauen, müsste er sogar mindestens doppelt so lange arbeiten, denn er hat ja kaum mehr Einnahmen als Ausgaben. Niemand der bei Verstand ist, würde diese Einkommens- und Vermögensunterschiede durch Leistungsunterschiede begründen.

Allein dieses Beispiel zeigt, wie absurd die Vermögenssituation, die Einkommensverteilung und die politische Diskussion um die sogenannte „Reichensteuer“ ist.

Und es zeigt, dass wir, bezogen auf die Weltbevölkerung, längst in Dimensionen der Macht- und Reichtumsverteilung angekommen sind, wie wir sie von den Monarchien des Mittelalters her kennen.

In der Konsequenz

Eine freie Wirtschaft ist nur möglich, wenn extreme Konzentrationen von Macht, Vermögen und Marktanteilen vermieden werden. Und nur in einer Welt mit fairer Verteilung von Ressourcen kann auch menschliche Freiheit existieren. Deshalb darf man zwar vielleicht niemandem übelnehmen, wenn er reich sein will aber wenn der Reichtum übermenschliche Dimensionen annimmt, ein einzelner das Vermögen von Generationen anderer vereinnahmen kann, dann wird es Zeit, die Stellhebel des Systems anders zu stellen.

Auch die Flüchtlingsströme sind ein Ergebnis genau dieser Problematik.

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About CU_Mayer

Über den Autor Nach Beginn im kaufmännischen Zweig studierte Dipl.-Ing. (FH) Christoph Ulrich Mayer, geboren 1968 in Krumbach (Schwaben), Nachrichtentechnik. Er arbeitete mehrere Jahre als Ingenieur und Projektleiter, bevor er sich 2001 mit Ingenieur-Dienstleistung, Unternehmensberatung & Coaching selbständig machte. Seit ca. 15 Jahren arbeitet er als Systemischer Coach. In dieser Zeit lernte er die unterschiedlichsten Denkweisen und Wertesysteme, auch anderer Kulturen, kennen und entwickelte somit einen Weitblick für gesellschaftliche Zusammenhänge. Durch die Beratungsarbeit in Unternehmen kennt er zudem viele Hintergründe, die die Wirtschaftsprozesse besser verstehbar machen. In jahrelanger intensiver Arbeit verfasste er das Buch "Goodbye Wahnsinn - vom Kapitulismus und Kommunismus zum menschenGerechten Wirtschaftssystem". Auf unorthodoxe Weise setzt er sich mit Lehren von Adam Smith bis Karl Marx und mit Sichtweisen von Norbert Blüm bis Sarah Wagenknecht auseinander. Sein Anliegen ist, mit seinen Erkenntnissen und Lösungen zu zeigen, dass wir eine bessere - eine nachhaltigere - Zukunft wählen können.

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