Griechenlands „Rettung“, eine Groteske der EU-Politik und Finanzwirtschaft

Es gibt ihn noch, den Qualitätsjournalismus in Deutschland. Im Deutschen Fernsehen leider nur mit Narrenkappe.

Die Anstalt“ ist eine Kabaret-/Satire-Sendung, die nicht nur Themen gut aufbereitet sondern auch noch Transparenz bietet. Da die Sendung ein ganz anderes Bild zeichnet, als man es sonst in der Mainstreampresse gezeichnet bekommt, hat man schnell die Notwendigkeit erkannt, Lesern die Fakten nachlesbar zu liefern, im Faktencheck, hier der der letzten Sendung.

In der März-Sendung wurde sehr viel an Informationen zu Griechenland aufgezeigt, das in krassem Widerspruch zu den Darstellungen von  Juncker, Draghi, Merkel, Schäuble & Co. steht. Und sie ist um Welten näher an der Wahrheit als in Zeit, Bild und den allermeisten deutschen „Leitmedien“ zu lesen, sehen und hören ist.

Hier mal ein paar wichtige Fakten zur „Griechenland-Rettung“:

Die deutsche Volkswirtschaft profitiert mit ca. 80 Mrd. € jährlicher Zinseinsparung von der Finanzkrise und der Europäischen Staatsschuldenkrise, allein der deutsche Staat soll lauf IFW bis 2030 rund 160 Mrd. Euro Zinszahlungen einsparen. Denn die Zinsen sind auf historisch niedrigem Niveau. Tatsächlich profitiert also „Deutschland“ von der Krise, so wie viele andere – v.a. im Privatsektor.

89% der 252 Mrd. Euro „Rettungsmilliarden“ „an Griechenland“ flossen in Wirklichkeit in den Finanzsektor [Macropolis]. Rückzahlungen, und Zinszahlungen in Höhe von Milliarden Euro wurden so, größtenteils von Europäischen Institutionen, an private und öffentliche Anleger transferiert. Ganze 11% kamen dem griechischen Staat zugute.

0% wurde in Aufbauprogramme für die angeblich problematische wirtschaftliche Infrastruktur Griechenlands investiert. Wie unter diesen Bedingungen die griechische Ökonomie in Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit kommen soll bleibt schleierhaft. Ja, wenn die griechischen Löhne und Produktionskosten sinken, kann man mehr exportieren. Doch der weit wichtigere Binnenmarkt bricht zusammen.

Als im März 2010 die Griechenland-Krise ausbrach, hatte dessen Staat ca. 293 Mrd. Euro Schulden, zu 100% bei privaten „Investoren“, also Banken, Fonds, Lebensversicherungen. Im August 2013 war die Schuldenlast auf ca. 322 Mrd. Euro angewachsen, die Schulden sind aber zu 81% in öffentlicher Hand [Nachdenkseiten].

Mit anderen Worten: Der Finanzsektor hat seine griechischen Risikoanleihen an die Europäischen Staaten und Steuerzahler abgeschoben und ca. 224 Mrd. Euro an „Rettungsgeldern“ kassiert, allein was Griechenland anbelangt. Portugal, Spanien, Italien sind da noch gar nicht eingerechnet.

Eine Politik der Vernunft oder der Bürger oder gar eine der Europäischen Solidarität sähe anders aus. Sollen die Europäischen Werte, die man in militärischen Krisengebieten, im Kampf gegen Terror oder im Kampf gegen politischen Machtverfall gerne herausstellt, Profit, quantitatives Wachstum, Ausbeutung von Mensch und Natur zugunsten der Bereicherung einiger weniger sein? Das war nie der Grundgedanke der Bundesrepublik Deutschland oder der Europäischen Union.

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About CU_Mayer

Über den Autor Nach Beginn im kaufmännischen Zweig studierte Dipl.-Ing. (FH) Christoph Ulrich Mayer, geboren 1968 in Krumbach (Schwaben), Nachrichtentechnik. Er arbeitete mehrere Jahre als Ingenieur und Projektleiter, bevor er sich 2001 mit Ingenieur-Dienstleistung, Unternehmensberatung & Coaching selbständig machte. Seit ca. 15 Jahren arbeitet er als Systemischer Coach. In dieser Zeit lernte er die unterschiedlichsten Denkweisen und Wertesysteme, auch anderer Kulturen, kennen und entwickelte somit einen Weitblick für gesellschaftliche Zusammenhänge. Durch die Beratungsarbeit in Unternehmen kennt er zudem viele Hintergründe, die die Wirtschaftsprozesse besser verstehbar machen. In jahrelanger intensiver Arbeit verfasste er das Buch "Goodbye Wahnsinn - vom Kapitulismus und Kommunismus zum menschenGerechten Wirtschaftssystem". Auf unorthodoxe Weise setzt er sich mit Lehren von Adam Smith bis Karl Marx und mit Sichtweisen von Norbert Blüm bis Sarah Wagenknecht auseinander. Sein Anliegen ist, mit seinen Erkenntnissen und Lösungen zu zeigen, dass wir eine bessere - eine nachhaltigere - Zukunft wählen können.

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